Pilgern und Wandern im Montserrat-Gebirge

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Montserrat – nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Karibikinsel – ist ein großer Gebirgszug in Spanien. Er beginnt etwa 50 Kilometer von Barcelona entfernt und erhebt sich bis auf über 1200 Meter Meereshöhe. Das Montserrat-Gebirge beherbergt nicht nur das berühmte Benediktinerkloster Santa Maria de Montserrat, sondern bietet auch vier schöne Wanderrouten mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und einer großartigen Aussicht auf die Umgebung.

Das Gebirge besteht aus rosafarbenem Sedimentgestein, welches bis vor einigen Millionen Jahren noch unterhalb des Meeresspiegels lag. Die Erosion verlieh dem Gestein eine seltsam “zackige” Silhouette, ähnlich der einer Säge. Daher leitet sich letztendlich auch der Name ab: “Montserrat” bedeutet auf katalanisch “Gesägter Berg”.

Die Anfahrt ist denkbar einfach, denn der Startpunkt – das Kloster – ist eine weltberühmte Pilgerstätte und äußerst gut angebunden. Wer mit dem eigenen Auto unterwegs ist, kann für sechs Euro pro Tag in Laufweite vom Eingang parken. Wer hingegen mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, fährt mit der Regionalbahnlinie R5 von Barcelona bis nach Monistrol de Montserrat und hat dort die Wahl zwischen der Seilbahn oder der Zahnradbahn.

Man kann auch in etwa eineinhalb Stunden vom Tal aus bis zum Kloster wandern. Die Wege sind allerdings nur schlecht markiert und recht anspruchsvoll.

Die Zahnradbahn, die Cremallera de Montserrat, wurde bereits 1881 gebaut. Zu Spitzenzeiten befuhr man die Strecke mit bis zu acht Dampflokomotiven gleichzeitig. Während des Zweiten Weltkrieges brachen die Besucherzahlen stark ein. Der Betrieb war nicht mehr wirtschaftlich, 1953 gab ein schwerer Unfall dem Unternehmen den Rest. 1957 wurde die Strecke stillgelegt und erst im Jahr 2003 wieder eröffnet.

Die Fahrt dauert knapp 20 Minuten. Die Fahrpläne sind in vier verschiedene Saisonen unterteilt und mitunter recht verwirrend. Man sollte auf jeden Fall sicherstellen, dass man die letzte Bahn ins Tal nicht verpasst, in der Nebensaison wird Betrieb teilweise schon gegen 18:00 Uhr eingestellt.

Eine einfache Fahrt kostet in der Nebensaison (Januar bis März, letzte Oktoberwoche bis Neujahr) 6,60 Euro, eine Hin- und Rückfahrt 11 Euro. In der Hochsaison sind es 7,20 Euro bzw 12 Euro. Mit einem Kombiticket für Regionalzug und Zahnradbahn kommt man aber deutlich billiger weg. Diese Tickets sind an verschiedenen Vorverkaufsstellen erhältlich, darunter z.B. am Bahnhof in Barcelona.

Die Aeri de Montserrat genannte Seilbahn fährt seit 1930 durchgängig auf den Berg. Im Gegensatz zur Zahnradbahn fährt sie nicht vom Regionalbahnhof Monistrol ab, sondern einen Halt vorher von der gleichnamigen Haltestelle “Aeri de Montserrat”.

Eine Einzelfahrt mit der Seilbahn kostet für Erwachsene 7,50 Euro, die Hin- und Rückfahrt 11,50 Euro. Die Fahrt dauert knapp fünf Minuten. Bei hoher Auslastung fährt die Bahn alle fünf Minuten, also pausenlos.

Kloster, Basilika und Schwarze Madonna

Im Montserrat-Gebirge wurden schon vor Christi Geburt Gotteshäuser errichtet. Beispielsweise verehrten die Römer hier in einen Tempel die Göttin Venus. Im Jahr 718 soll eine ursprünglich aus Jerusalem stammende Statue der Heiligen Maria, die Schwarze Madonna Unsere Liebe Frau von Montserrat, katalonisch Mare de Déu de Montserrat oder auch La Moreneta (Die kleine Braune), hier vor den Mauren in Sicherheit gebracht worden sein.

Der Legende nach wurde die Statue um das Jahr 880 von Schäferjungen in einer Höhle wiederentdeckt. Der Bischof ordnete die Überführung nach Manresa an, aber die Statue war angeblich zu schwer und konnte nicht angehoben werden. Dies wurde als Wunsch der Heiligen Maria interpretiert, an Ort und Stelle bleiben zu wollen. Die Benediktinerabtei Santa Maria de Montserrat wurde schließlich ab dem 11. Jahrhundert um die Statue herum gebaut. Im Laufe der Jahrhunderte folgten mehrere Erweiterungen, darunter der Bau einer großen Basilika. Bis heute leben durchgängig um die 80 Mönche im Kloster.

EIngang zum Kloster
Eingang zur Basilika

Alles wirkt recht neu, und dieser Eindruck trügt nicht. Das Kloster wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verwüstet. Der letzte Wiederaufbau fällt in die Zeit nach dem spanischen Bürgerkrieg, also in die 1950er und 1960er Jahre.

Die Basilika ist von beeindruckender Größe und innen reich verziert. Die Schwarze Madonna ist durch eine Öffnung über dem Altar zu sehen, wird allerdings fast ständig vom schier endlosen Strom der Pilger verdeckt.

Der Zutritt zur Schwarzen Madonna erfolgt über einen Seiteneingang. Die Heilige Maria ist die Schutzheilige Kataloniens, angeblich versucht jeder gläubige Katalane mindestens ein Mal pro Jahr nach Montserrat zu pilgern. Bei großem Andrang kann man daher schon mal 45 Minuten in der Schlange stehen.

Der Eintritt zur Kirche und dem Seitengang mit der Madonna ist kostenlos. Spenden sind aber erwünscht.

“Virginum Custos”, der “Beschützer der Jungfrau”

Die eigentliche Marienfigur erscheint im Vergleich zum Kloster und der großen Basilika winzig. Sie ist nur 95 Zentimeter hoch, aus Pappelholz geschnitzt und in Gold eingefasst. Die Kugel in ihrer rechten Hand symbolisiert das Universum. Das Jesuskind hält einen Pinienzapfen als Symbol für Auferstehung und Unsterblichkeit in der Hand. Der Tradition nach küsst oder berührt man die Hand der Madonna, während man die andere Hand nach dem Jesuskind ausstreckt. Gefühlt passiert das Tausende Male pro Tag…

Christoph Columbus benannte übrigens 1493 die Karibikinsel Montserrat, heute Teil der Britischen Überseegebiete, nach der Schwarzen Madonna.

Das angeschlossene Museum haben wir ausgelassen. Der Eintritt kostet 7 Euro pro Person, ist allerdings in einigen Kombinationstickets mit der Zahnradbahn oder den anderen Bahnen bereits enthalten.

Wandern in Montserrat

In den Bergen rund um das Kloster sind vier Wanderwege markiert:

  • Weg 1: Pla de les Taràntules (Bergstation der Standseilbahn Sant Joan) zum Gipfel Sant Jeroni
  • Weg 2: Gipfel Sant Jeroni zum Kloster Santa Maria de Montserrat
  • Weg 3: Pla de les Taràntules zum Kloster Santa Maria de Montserrat
  • Weg 3a: Pla de les Taràntules zur Eremita de Santa Magdalena und zurück

Alle vier Wege lassen sich zu einer einzigen großen Runde kombinieren. Man kann diese Runde und einen Besuch im Kloster sogar einem einzigen Tag schaffen. Allerdings sollte man dann schon einiges an Kondition mitbringen, denn es sind insgesamt 14 Kilometer und 650 Höhenmeter Aufstieg.

Eine Einzelfahrt mit der Standseilbahn Funicular de Sant Joan zur Pla de les Taràntules kostet 8,75 Euro, die Hin- und Rückfahrt 13,50 Euro. Eine eher teuere Angelegenheit. Wenn man auf den Wegen 2 oder 3 wieder nach unten wandert, benötigt man nur ein Ticket für die Fahrt auf den Berg und erspart sich damit immerhin knapp 130 Höhenmeter Aufstieg.

Standseilbahn Funicular de Sant Joan, im Hintergrund das Kloster Santa Maria de Montserrat

Welche Kombination die beste ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wir haben Weg Nummer 2 ausgelassen, sind mit der Standseilbahn Funicular de Sant Joan zur Pla de les Taràntules gefahren, zum Gipfel Sant Jeroni (Weg 1) und zur Eremita de Santa Magdalena (Weg 3a) gewandert und dann über Weg Nummer 3 zurück zum Kloster. Weg Nummer 3 führt zwar einfach an einer Straße entlang und ist vermutlich nicht so schön wie Weg Nummer 2. Andererseits hat man aber nur vom Creu de Sant Miquel aus den berühmten “Frontalblick” auf das Kloster.

Weg 1: Zum Gipfel Saint Jeroni und zurück

Strecke ca. 7 Kilometer Dauer 2,5 Stunden
Aufstieg 386 Meter Abstieg 386 Meter
Einfach Frühling Sommer Herbst

Der Weg von der Standseilbahn zum Gipfel Saint Jeroni zweigt direkt an der Bergstation nach rechts ab. Wer hier nicht aufpasst, läuft statt dessen auf dem Weg Nummer 3a zur Eremita de Santa Magdalena.

Der Großteil der Strecke führt ungeschützt an den Felsen entlang, nur an einigen Stellen führt der Weg durch den Wald. Bei höheren Temperaturen sollte man daher auf jeden Fall genug Wasser und Sonnenschutz dabei haben.

Auf den ersten eineinhalb Kilometern hat man einen spektakuläre Ausblick auf die zackigen Felsformationen, welche dem Montserrat-Gebirge seinen Namen verleihen. Vom Aussichtspunkt Mirador de la Serra de les Paparres aus hat man die beste Sicht.

An einer kleinen Holzbrücke biegt man nach rechts auf den geteerten Weg ab. Nach insgesamt etwa drei Kilometern und 200 Höhenmetern erreicht man dann schließlich die kleine Kapelle Ermita de Sant Jeroni.

Auf den letzten paar Metern wird es noch mal richtig steil. Aber die Anstrengung wird sich später lohnen!

Markierung auf 1200 Höhenmetern

Wanderer haben Steinpyramiden entlang des Weges aufgeschichtet. Ein auch an vielen anderen Orten mittlerweile anzutreffender Brauch.

Schon kurz vor dem Gipfel bietet sich ein fantastischer Ausblick auf die nähere Umgebung. Solch seltsame Gesteinsformationen hatten wir vorher noch nicht gesehen 🙂

Nun nur noch die letzten Stufen nach oben schnaufen, …

…und es ist geschafft. Wir haben den 1236 Meter hohen Sant Jeroni erklommen.

Die Anstrengung hat sich wirklich gelohnt. In Richtung Süden kann man auf einen guten Teil des Montserrat-Gebirges blicken, darunter auch den Telekommikationsturm auf dem 1207 Meter hohen Pico del Moro (links). Zwischen 1929 und 1983 fuhr die steilste Seilbahn Europas, die Aéreo de Sant Jeroni, zu einem Restaurant auf der Spitze des Pico del Moro. Heute befinden sich dort nur noch technische Anlagen für den Antennenturm.

Richtung Norden fällt das Gebirge mehrere Hundert Meter steil ab und gibt den Blick auf das tiefe Tal frei. Am Horizont kann man sogar noch das 20 Kilometer entfernte Manresa erkennen.

Der Rückweg zur Bergstation der Funicular de Sant Joan ist identisch mit dem Weg zum Gipfel.

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Weg 2: Vom Gipfel Saint Jeroni zum Kloster

Strecke 3,5 Kilometer Dauer 1 Stunde
Aufstieg Abstieg 470 Meter
Einfach Frühling Sommer Herbst

Man kann diesen Weg natürlich auch in umgekehrter Richtung wandern. Allerdings muss man dann gleich zu Beginn den unangenehmsten Teil – die vielen, vielen Treppenstufen am Kloster – hochklettern und hat dann noch mal so einige Höhenmeter vor sich.

Meine Empfehlung ist daher die Kombination mit Weg Nummer 1: Standseilbahn zur Pla de les Taràntules, Wanderung zum Gipfel Saint Jeroni und dann zurück zum Kloster. Die Abzweigung zum Weg Nummer 2 liegt etwa einen Kilometer bzw. ca. 25 Minuten vor dem Gipfel und ist gut ausgeschildert. Von der Markierung dauert es etwa eine Stunde bis hinunter zum Kloster.

Unterwegs bietet sich ein Abstecher zur kleinen Kirche Ermita de Sant Benet an, welche auf einem Felsen hoch über dem Kloster thront.

Die Ermita de Sant Benet
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Weg 3a: Zum Gipfel Santa Magdalena und zurück

Strecke ca. 1,5 Kilometer Dauer 40 Minuten
Aufstieg 123 Meter Abstieg 123 Meter
Einfach Frühling Sommer Herbst

Dieser Weg beginnt an der Bergstation der Funicular de Sant Joan und ist wegen der kurzen Distanz sehr viel beliebter als die Wanderung zum Sant Jeroni. Man erkennt dies alleine schon an der Breite und Qualität des Weges.

Auf dem Weg zur Spitze hat man einen schönen Ausblick auf die Täler und kommt auch an anderen Heiligtümern, z.B. der Ermita de Sant Joan Baptista, vorbei.

Ermita de Sant Joan Baptista
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Weg 3: Pla de les Taràntules zum Kloster Santa Maria de Montserrat

Strecke ca. 1,5 Kilometer Dauer 40 Minuten
Aufstieg 126 Meter Abstieg 126 Meter
Einfach Frühling Sommer Herbst

Weg Nummer 3 führt einfach auf der Versorgungsstraße der Bergstation der Standseilbahn zurück zum Kloster. So schön und abwechslungsreich wie die anderen Wege ist er daher nicht.

Wer die knapp 40 Minuten für den Abstieg investiert, spart sich aber nicht nur die Rückfahrkarte für die Standseilbahn. Weg Nummer 3 bietet auch zwei Perspektiven, welche auf alle anderen Wege nicht zu sehen sind. Zum einen ist das der Blick auf das Tal neben dem Kloster. Zum anderen kann man vom Creu de Sant Miquel, dem Kreuz des Heiligen Michael aus frontal auf das Kloster selbst blicken. Das Titelbild für diesen Beitrag entstand am Creu de Sant Miquel.

Das Creu de Sant Miquel
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Fazit: Egal, ob man sich für Klöster interessiert oder nicht – das Montserrat-Gebirge hat für Pilger und Wanderer gleichermaßen viel Interessantes zu bieten 🙂 Wegen der guten Anbindung an das Eisenbahnnetz eignet es sich auch gut als Tagesausflug für Reisende ohne eigenen Mietwagen.

Dieser Artikel wurde von Simon für One Man, One Map geschrieben. Das Original befindet sich hier. Alle Rechte vorbehalten.

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