Die Moskauer Metro

Nach meinem Besuch im Bunker 42 bleibe ich einfach im Untergrund und fasse meine Eindrücke von der Moskauer Metro zusammen. Ich war ja schon von der Metro in Jekaterinburg beeindruckt gewesen, aber Moskau ist noch mal ein ganz anderes Kaliber 🙂

Die erste Linie wurde 1935 eröffnet. Moskau bekam natürlich die erste Untergrundbahn der Sowjetunion, aber im Vergleich zu anderen Städten hatten die Sowjets ganz schön geschlafen. Die Metropolitan Underground Railway in London war schon seit 1863 in Betrieb, die elektrische U-Bahn in Budapest seit 1869, die Berliner U-Bahn immerhin seit 1901 und die New York City Subway seit 1904. Moskau hatte zu der Zeit schon drei Millionen Einwohner, die Straßenbahn und die Straßen waren natürlich überlastet. Die Leute waren so froh, dass die Eröffnung der ersten Stationen in ein Volksfest mit Paraden und Konzerten ausartete. Das Bolshoi-Theater ließ sogar einen Chor von 2.200 Metro-Mitarbeitern auftreten!

Heute gibt es 13 Linien mit 206 Stationen, das Netz ist 339 Kilometer lang und das fünftlängste der Welt nach Shanghai, Peking, London und New York.

Metro fahren ist sehr einfach. Man kommt ja meistens über einen der Bahnhöfe in die Stadt, jeder Bahnhof ist mit einer größeren Metrostation verbunden, und dort kauft man sich ein “drahtloses” Ticket. Wie sonst überall auch gibt es verschiedene Tarife, ich hatte mich für eine Drei-Tages-Karte für 400 Rubel (ca. 5,70 €) entschieden. Ticket auf die Schranke legen, Schranke geht auf, das wars.

Nach den Anschlägen auf die Metro in St. Petersburg am 3. April 2017 wurden die Sicherheitskontrollen wieder verstärkt. Alle Stationen waren mit Metalldetektoren ausgerüstet, viele auch mit Röntgengeräten. Je nach Tageszeit und Andrang wurde unterschiedlich gründlich kontrolliert. Mein Rucksack mit der Fotoausrüstung war am Ende ein ziemliches Problem, im Schnitt musste ich ihn sicher fünf Mal pro Tag für eine Röntgenkontrolle abgeben. Die Beamten waren alle sehr freundlich, aber die Zeit war trotzdem verloren.

Die Metro soll Stalins Lieblingsprojekt gewesen sein, Moskau sollte die schönste und beste Metro der Welt haben. Bis zu Stalins Tod 1953 wurden die Stationen deswegen wie “unterirdische Paläste” ausgestattet, und natürlich hatte er auch sonst die Finger drin: Die Ingenieure hatten erst geplant, dass die verschiedenen Linien Moskau in einer Linie durchschneiden und sich nur im Zentrum an verschiedenen Punkten treffen sollten. Man konnte also nur dort umsteigen. Natürlich waren diese Kreuzungspunkte dann sofort überlastet.

Bei einem Treffen mit Stalin soll dieser seine Kaffeetasse auf einem der Pläne abgestellt haben, etwas Kaffee schwappte über, und es bildete sich ein brauner Rand um die Tasse. Die Ingenieure starrten darauf und erkannten sofort Stalins Genie  – eine Ringlinie. Angeblich ist die Ringlinie 5 deswegen auf allen Plänen in brauner Farbe eingezeichnet 😉

Ein weniger schöner Teil der Geschichte ist die Verwendung als Luftschutzbunker und Kommandozentrum während des zweiten Weltkrieges. Dreißig Prozent der Metro-Mitarbeiter mussten in den Krieg ziehen, der Generalstab der Roten Armee saß für eine Weile in der Station Chistye Prudy (Чи́стые пруды́). Bis zu 15 Millionen Menschen sollen auf die Metro als Luftschutzbunker angewiesen gewesen sein, als die Deutschen Moskau bombardierten. Man kann sich wahrscheinlich nur schwer vorstellen, wie eng das damals zugegangen sein muss!

Nach dem Abwurf der ersten Atombomben wurden zusätzlich riesige Schutztüren installiert:

Einer viel spannenderen Legende nach soll es ein komplettes zweites Metro-Netz mit geheimen Tunneln und Stationen für den FSB (Ex-KGB) geben, die Metro-2. Je nach Quelle liegen die Tunnel angeblich in bis zu 300 Metern Tiefe und das Netz der Metro-2 sei länger als das der normalen Metro. Eine geheime Untergrundstadt namens “Ramenki-43” gehört natürlich gleich mit dazu, und verschiedene Ex-KGB-Mitarbeiter sollen nach ihrer Flucht von der Metro-2 erzählt haben.

Wie viel davon der Wahrheit entspricht, weiß niemand, aber so einiges hat sich als wahr herausgestellt. Es gibt Fotos der geheimen U-Bahn-Linie D6, und den ehemals geheimen Bunker 42 habe ich ja selbst besucht. Wer weiß, was da sonst noch alles unter Moskau liegt… 😉

Die Rolltreppen

Normalerweise wäre eine Rolltreppe wahrscheinlich keine Erwähnung wert. Aber hier muss man erst mal in eine Tiefe von 40 bis 70 Meter fahren, bevor man überhaupt zu den Zügen gelangt. Schon ein Erlebnis, und man sollte sich gut überlegen, ob man oberirdisch nicht vielleicht doch schneller zur nächsten Station gelaufen ist…

Die Station Park Pobedy (Парк Победы) liegt 84 Meter tief und ist die tiefste Station der ganzen Metro. Hier kann man mit einer der längsten Rolltreppe Europas fahren: 126 Meter lang, 730 Stufen. Fahrtdauer ganze drei Minuten. Da kann einem schon mal langweilig werden, aber 126 Meter nach oben laufen ist halt auch keine echte Option … 😉

Komsomolskaja (Комсомольская) auf der Linie 5

Die Station Komsomolskaya auf der Linie 5 liegt unter gleich vier wichtigen Bahnhöfen, dem Kasaner (Казанский вокзал), dem Jaroslawler (Ярославский вокзал), dem Leningrader (Ленинградский вокзал) Bahnhof und dem Bahnhof Kalantschowskaja (Каланчёвская). Wer wie ich mit der Transsibirischen Eisenbahn oder dem Sapsan aus St. Petersburg in Moskau ankommt, betritt als erstes diese Station.

“Dummerweise” ist es auch gleich eine der schönsten überhaupt, also ist man von den anderen dann eventuell nicht mehr ganz so beeindruckt 😉

Wer vorher schon von “unterirdischen Palästen” gelesen hat, weiß sofort, was damit gemeint ist. An der Decke befinden sich riesige Mosaike mit verschiedenen Szenen rund um berühmte Feldherren, darunter natürlich auch Kamerad Lenin.

Ploshchad Revolyutsii (Пло́щадь Револю́ции) auf der Linie 3

Diese Station ist vor allem für die 76 Bronzestatuen berühmt, welche “die Menschen der Sowjetunion” darstellen sollen. Darunter finden sich Soldaten, Arbeiter, Bauern, Sportler, Schriftsteller, Piloten und so weiter. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass das Militär vielleicht etwas… überrepräsentiert ist?

An dieser Station kann man eine der schönen Legenden der Metro miterleben: Wer die Schnauze dieses Hundes streichelt, hat Glück. Und ich musste keine zwei Minuten warten, um reihenweise Leute beim Streicheln zu fotografieren 🙂

Taganskaya (Тага́нская) auf der Linie 5

Die Station ist mit großen Keramikplatten ausgestaltet, die Reliefe sind verschiedenen Waffengattungen der Roten Armee gewidmet. Bunker 42 liegt irgendwo hinter diesen Wänden.

Hier kann man auch sehr gut den Unterschied zwischen den zur Zeit von Stalin und später geplanten Linien sehen. Die schön ausgekleidete Station auf der Linie 5 wurde 1950 eröffnet. Die Station nebenan heißt auch Taganskaya, liegt allerdings auf der Linie 7 und wurde erst 1966 eröffnet. Die Innenausstattung besteht hier nur aus einfachem Granit und Marmor.

Ein wichtiger Bestandteil des Metro-Erlebnisses sind auch die Künstler:

Der junge Mann hier konnte wirklich mit beeindruckender Geschwindigkeit und Präzision spielen! 🙂

Kievskaya (Ки́евская) auf der Linie 5

Das Fresko am Ende wurde zur 300-Jahr-Feier des Vertrag von Perejaslaw 1954 angebracht. Für die Sowjets stand dieser Vertrag für die Wiedervereinigung der Ukraine mit Russland, und die Vereinigung bestimmter Teile der Ukraine mit Russland ist ja heute noch ein Thema…

Novoslobodskaya (Новослобо́дская) auf der Linie 5

Metro oder Kirche? Das fragten sich auch die Sowjets, und Architekt Pawel Korin musste einiges an Kritik einstecken. Allerdings mochten die normalen Bürger die Glasmalereien aus Litauen, wahrscheinlich wurde die Station deswegen nicht verändert.

Zum Abschluss noch ein paar weniger sortierte Fotos, irgendwo musste ich einen Schlussstrich ziehen 🙂

Cherkizovskaya (Черки́зовская) an der Linie 1

Krasnoselskaya (Красносе́льская) an der Linie 1

Park Pobedy (Парк Победы) an der Linie 3/8

Okhotny Ryad (Охотный рядan) der Linie 1

Prospekt Mira (Проспе́кт Ми́ра) an der Linie 5

Sokolniki (Соко́льники) an der Linie 1

Im nächsten Artikel geht es dann wieder an die Oberfläche! 🙂

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