Das Kagurazaka Bakeneko Festival

(Meine Route innerhalb Japans findet ihr hier, einen generellen Überblick über das Land hier.)

Wolltet Ihr immer schon mal einen Haufen Menschen sehen, welche als Monsterkatzen verkleidet feiernd durch die Straßen von Kagurazaka in Tokio ziehen? Natürlich wolltet ihr das 😉 Und falls ihr euch jetzt fragt, warum sie das überhaupt tun, dann gibt es dafür zwei Gründe.

Zum einen kennt die japanische Folklore tatsächlich mehrere Arten von Katzen mit übernatürlichen Fähigkeiten. Obake (お化け) oder Bakemono (化け物) sind Gestaltwandler mit übernatürlichen Kräften, eine Neko () ist eine Katze, also ist eine Bakeneko (化け猫) eine Gestaltwandlerkatze. Es gibt viele Legenden über sie, einer der bekannteren nach erlangen alte Hauskatzen (oft liegt das magische Alter bei 13 Jahren) die Fähigkeit, sich in Menschen zu verwandeln, Handtücher auf ihren Köpfen zu tragen, herumzutanzen, in menschlicher Sprache zu sprechen, Menschen zu verfluchen, von Menschen Besitz zu ergreifen (!), oder sie gehen in die Berge, um ein Rudel Wölfe anzuführen. Ihr wisst schon, völlig normaler Katzenkram halt.

Eine andere Legende ist die über die Nekomata (猫また), welche auch ihre Form verändern können und stark mit Bergen verbunden zu sein scheinen. Die ursprüngliche Legende scheint wie folgt aufgebaut gewesen zu sein: Nekomata waren katzenartige Tiere, welche in den Bergen lebten, Menschen attackierten und auch töteten. Später wurden auch Nekomata erwähnt, welche sich als Hauskatzen tarnten. Oder Nekomata waren alte Hauskatzen, welche übernatürliche Kräfte erlangt hatten, und einige von ihnen waren in die Berge geflüchtet und zu wilden Kreaturen geworden. Oder Nekomata sollen angeblich zwei Schwänze haben. Es gibt also Überschneidungen zwischen Bakeneko und Nekomata, aber während sich Bakeneko anscheinend damit zufrieden geben, putzig herumzutanzen und Menschen ein wenig zu veräppeln, haben Nekomata einen Hang zum Jagen, Entführen und Essen von Menschen. Ich schätze das ist wohl auch der Grund, warum es kein Nekomata Festival geworden ist 😉

Zum anderen ist der Autor des Romans I Am A Cat von 1905/1906, Natsume Sōseki, ein berühmter Bürger Kagurazakas. In diesem Roman beschrieb er das Leben eines Lehrers und seiner Familie während der Meiji-Zeit durch die Augen einer Katze. Er konzentrierte sich vor Allem auf den sich während dieser Zeit gerade anbahnenden Konflikt zwischen japanischen Traditionen und der westlichen Kultur.

Das Festival

Üblicherweise findet das Bakeneko Festival an einem Sonntag Mitte Oktober statt. 2017 fiel es auf den 15. Oktober, 2018 wird es am 14. Oktober stattfinden. Die offizielle Website ist  nur auf Japanisch verfügbar, lässt sich aber mit Google Translate gut übersetzen, und für die wichtigsten Informationen (die Karte und das Datum) benötigt man keinen Übersetzer.

Die Hauptveranstaltung ist die Parade, aber das eigentliche Festival dauert einen ganzen Tag. Man kann sich selbst oder die eigenen Kinder in eine Katze verwandeln lassen, falls man früh genug auftaucht um eines der limitierten Katzen-Make-Up Tickets zu ergattern, den Tanzwettbewerb gewinnen, Katzen-Essen und Katzen-Dinge kaufen, an der Parade teilnehmen (500 Yen/3,80 Euro Eintritt für Erwachsene und Jugendliche), und vieles mehr.

2017 Map Copyright Kagurazaka Akari Festival Bureau, http://bakeneko.oops.jp/

Wie man sieht, muss man keine Monsterkatze sein – ein dreiköpfiger Panda in Ketten geht auch in Ordnung.

Am Bakeneko-Tag ist wirklich nichts vor einer Verwandlung in eine Katze sicher. Nicht mal Kobo-Chan (コボちゃん), geliebter Protagonist vieler Tausend Comic-Strips.

Die Parade

Auf der Karte ist die Parade als “Cat Halloween Parade” verzeichnet, was ein bisschen nach Fehlübersetzung aussieht. Halloween findet normalerweise erst zwei Wochen später statt. Möglicherweise ist das aber auch nur ein Versuch, den Touristen zu vermitteln, worum es sich hier handelt. Als Europäer waren mir Kostümparaden natürlich bekannt, aber viele Kulturen kennen diesen Brauch nicht. “Halloween” ist aber normalerweise ein bekanntes Phänomen.

Ich habe an diesem Tag genau eine Maus gesehen. Zum Glück schien sie auch übernatürliche Kräfte bekommen zu haben, also denke ich, dass sie vor den Katzen sicher war oder sich zumindest gut verteidigen konnte…

Es war schön zu sehen, dass wirklich jeder diesen Tag genießen konnte. Jung oder alt, Japaner oder Ausländer, Zuschauer oder Teilnehmer, schlechtes Wetter, …nichts davon war wichtig.

Die Bakeneko-Parade schien bei Ausländern überraschend beliebt zu sein. Einige waren jedenfalls sehr bedacht darauf, im richtigen Stil aufzutreten.

Ich weiß nicht, was beeindruckender war: all die Ballons für dieses Kostüm aufzublasen und zusammenzubasteln, oder stundenlang darin herumzulaufen ohne einen Einzigen davon zu beschädigen 😯

Ungefähr auf halbem Weg durch Kagurazaka passierte die Parade die belebte Obuko-dori Avenue (大久保通り). Jetzt war es Aufgabe der Katzenpolizei, für die Sicherheit der Teilnehmer zu sorgen 😉

Ich könnte noch mehr über Tokio schreiben, aber jetzt ist es an der Zeit, diese großartige Stadt zu verlassen und in Nikko weiterzumachen. Falls Ihr von Tokio noch nicht genug haben solltet, empfehle ich Tokio bei Tag und Tokio bei Nacht 😉

Dieser Artikel wurde ursprünglich von Simon for One Man, One Map geschrieben. Das Original befindet sich hier. Alle Rechte vorbehalten.
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